Einladung zur Defensio von Leandra Cukur, BA MA
Die Forschungsgruppe Transcult.com lädt zur Defensio der Dissertation von
Leandra Cukur, BA MA
zum Thema „Auswirkungen des bezahlten Crowdsourcings auf den Translationsberuf: Eine konsequentialistische Analyse von Übersetzungsplattformen” ein.
Betreuerin: Univ.-Prof. Mag. Dr. Cornelia Zwischenberger (Zentrum für Translationswissenschaft, Universität Wien)
Gutachter*innen: em. Univ-Prof. Maureen Ehrensberger-Dow, PhD (Institute of Interpreting and Translation, ZHAW) und Univ.-Prof. Dr.phil. Stefan Baumgarten (Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft, Universität Graz)
Die Defensio findet am 23. Jänner um 15:20 Uhr im Hörsaal 3A statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen!
#crowdsourcing #übersetzungssplattformen #translationsberuf #konsequentialistischeanalyse #rationalisierung
Abstract
Technische Fortschritte in der Translationsbranche führten zur Etablierung von Übersetzungsplattformen, die Übersetzungsaufträge mittels bezahltem Crowdsourcing an einen Pool an Übersetzer*innen schicken. Die damit einhergehenden Arbeitsweisen wie Cloud-Übersetzungsworkflows, Windhundprinzip, algorithmische Kontrolle und Steuerung rücken zwar vermehrt in den Fokus translationswissenschaftlicher Studien, wurden bis dato jedoch noch nicht systematisch erforscht. Während die Arbeitsbedingungen auf Übersetzungsplattformen bereits von Firat (2021, 2024) untersucht wurden, bestehen vor allem in Bezug auf die technischen Funktionen und Workflows auf Crowdsourcing-Plattformen sowie auf mögliche ethische Konsequenzen noch Forschungslücken.
Das Ziel dieser Arbeit ist es daher, diese Übersetzungsplattformen auf ihre Merkmale und technischen Funktionen hin zu untersuchen und dabei insbesondere ethische Konsequenzen für den Translationsberuf herauszuarbeiten. Dazu wurde eine Mixed-Methods-Studie durchgeführt, die sich aus einer qualitativen Webseitenanalyse, qualitativen Interviews mit zwei Plattformbetreibern sowie Übersetzer*innen mit Plattformerfahrung, und einer quantitativen Befragung unter den Mitgliedern der deutschsprachigen Berufsverbände BDÜ und UNIVERSITAS Austria zusammensetzt.
Die Dissertation verbindet theoretische Konzepte aus der Soziologie und Philosophie miteinander. Eine zentrale Stellung nimmt dabei das Rationalisierungskonzept von Max Weber ein, das dazu dient die Veränderungen des Translationsberufs im modernen Kapitalismus unter dem Einfluss digitaler Technik zu begreifen. Auf der anderen Seite bietet der Konsequentialismus die Grundlage für die ethische Bewertung der potenziellen Folgen von Übersetzungsplattformen auf den Translationsberuf. Die Arbeit stellt schließlich einen konsequentialistischen Bewertungsrahmen vor, der auf den vier Prinzipien Wohltun, Gerechtigkeit, Respekt für Autonomie und Effizienz basiert.
Die Ergebnisse der Datenauswertung zeigen ein differenziertes Bild von Übersetzungsplattformen mit unterschiedlichen Herangehensweisen, aber auch etlichen Gemeinsamkeiten. Die Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass sich die ohnehin prekären Arbeitsverhältnisse von Übersetzer*innen unter einem zunehmenden Einfluss von Übersetzungsplattformen weiter verschärfen könnten – insbesondere in Hinblick auf ihre Autonomie und ihr Wohlbefinden.
